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Wetterschenkel am Fenster: Aufgabe, Position und Alternativen

Ein Wetterschenkel ist ein abgeschrägtes Profil mit Tropfkante, das die darunter liegende Fuge zwischen Flügel und Rahmen vor Schlagregen schützt. Wo er sitzt, hängt von der Öffnungsrichtung ab.

Bei nach innen öffnenden Fenstern sitzt er unten am Flügelrahmen, bei nach außen öffnenden Fenstern oben am Blendrahmen oder auf dem Kämpfer.

Diese zweite Variante fehlt in den meisten Erklärungen im Netz. Sie beschreiben den Wetterschenkel ausschließlich als Bauteil an der unteren Flügelkante, was für ein Dreh-Kipp-Fenster stimmt und für ein dänisches Fenster nicht.

Wir führen beide Bauarten, deshalb erklären wir hier beide Fälle.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Wetterschenkel leitet Schlagregen ab, bevor er in die Fuge läuft.
  • Die Position richtet sich nach der Öffnungsrichtung des Flügels.
  • Die Tropfkante an der Unterseite verhindert, dass Wasser zurückläuft.
  • Bei modernen Fenstern übernimmt oft eine Regenschiene diese Aufgabe.
  • Im Denkmalschutz wird der klassische Holzwetterschenkel weiterhin verlangt.

Was ist ein Wetterschenkel?

Der Wetterschenkel ist ein waagerechtes, schräg nach unten ausgebildetes Profil, das über die Flügelbreite verläuft. Seine einzige Aufgabe ist, Wasser gezielt vom Fenster wegzuführen, statt es auf einer waagerechten Fläche stehen zu lassen.

Regional heißt das Bauteil auch Wasserschenkel. Beide Bezeichnungen meinen dasselbe. In der Denkmalpflege und in älteren Fachbüchern begegnet Ihnen häufiger die Form mit Wasser.

Der Begriff ist alt und gut dokumentiert. Das Bildwörterbuch der Architektur von Koepf und Binding führt ihn in der vierten Auflage von 2005 auf Seite 509 als waagerecht außen sitzendes Holzteil, das darunter liegende Fugen vor Schlagregen schützt.

Warum braucht ein Fenster überhaupt so ein Profil?

Die waagerechte Fläche direkt unter der Verglasung ist der am stärksten belastete Punkt des ganzen Fensters. Im Sommer steht die Sonne stundenlang darauf, im Herbst treffen Regen und Hagel darauf, im Winter liegt Schnee.

Ohne Ableitung sammelt sich Wasser dort und läuft in den Falz zwischen Flügel und Rahmen. Bei Holzfenstern greift das die Oberfläche an, und im schlimmsten Fall folgen Schimmel oder Schädlingsbefall.

Ein Kunststofffenster steckt diese Belastung leichter weg. Für Holz ist sie der Hauptgrund, warum es überhaupt nachlackiert werden muss

Wo sitzt der Wetterschenkel? Das hängt von der Öffnungsrichtung ab

Hier liegt der Punkt, an dem die meisten Beschreibungen unvollständig sind. Der Wetterschenkel sitzt immer dort, wo Wasser auf eine Fuge treffen würde, und das ist bei einem nach innen öffnenden Fenster eine andere Stelle als bei einem nach außen öffnenden.

Der Grund ist einfache Geometrie. Bei einem nach innen öffnenden Fenster liegt die Fuge zwischen Flügel und Rahmen an der Unterkante außen frei, also muss dort abgeleitet werden. Bei einem nach außen öffnenden Fenster schließt der Flügel von außen in die Zarge, und die kritische Fuge sitzt oben.

Bei mehrfeldrigen Fenstern kommt der Kämpfer dazu, also das waagerechte Zwischenholz zwischen zwei Feldern. Auch dort trifft Wasser auf eine Fuge, und auch dort sitzt bei nach außen öffnenden Fenstern ein Wetterschenkel.

Wenn Sie also im Internet lesen, der Wetterschenkel sitze unten am Flügel, ist das nicht falsch. Es gilt nur für einen von zwei Fenstertypen.

Was macht die Tropfkante?

Die Abschrägung allein reicht nicht. Ohne eine Kante an der Unterseite legt sich das Wasser als Film unter das Profil und läuft entgegen der Schwerkraft zurück zur Fuge. Kapillarwirkung schlägt Neigung.


Deshalb hat ein guter Wetterschenkel an der Außenkante eine Nut. Sie heißt Tropfkante, Wassernut oder Wassernase, und sie bricht den Wasserfilm, sodass das Wasser abtropft statt zurückzufließen.

Das ist das eigentliche Funktionsprinzip. Ein abgeschrägtes Brett ohne Tropfkante ist ein halbes Bauteil.

Holz, Aluminium oder PVC: welches Material?

Alle drei Varianten sind gängig, und die Wahl ist ein Kompromiss zwischen Optik und Wartung.

Holz sieht am authentischsten aus und hält am kürzesten. Aluminium hält am längsten und lässt sich lackieren oder in Holzoptik ausführen, sodass der Unterschied aus einigen Metern Abstand kaum auffällt.

Wetterschenkel oder Regenschiene: was ist heute richtig?

Bei modernen Fensterkonstruktionen ist der klassische Wetterschenkel weitgehend durch die Regenschutzschiene ersetzt, auch Regenschiene genannt. Sie erfüllt dieselbe Aufgabe, ist aber flach und wird nicht am Flügel, sondern am Rahmen montiert.


Das hat zwei praktische Vorteile. Sie lässt sich an vorhandenen Fenstern nachrüsten, und sie besteht meist aus pulverbeschichtetem Aluminium oder Kunststoff, also aus Material das nicht nachlackiert werden muss.

Moderne Regenschienen sind in der Regel so konstruiert, dass ein zusätzlicher Wetterschenkel nicht nötig ist.

Bei älteren Ableitsystemen kann die Kombination dagegen sinnvoll sein, weil diese Systeme noch nicht auf die heute häufigeren Starkregenereignisse ausgelegt waren.

Der Nachteil ist optisch. Die Regenschiene hat kein ausladendes Profil und wirft deshalb keinen Schatten. Ein Fenster mit Regenschiene sieht anders aus als ein historisches Fenster mit konstruktivem Wetterschenkel.

Sehen Sie hier unsere Haustüren.

Brauchen Kunststofffenster einen Wetterschenkel?

Meistens nicht als separates Bauteil. Bei Kunststofffenstern ist die Wasserableitung normalerweise direkt in das Profil integriert, mit Entwässerungsöffnungen im Falzbereich.

Wetterschenkel sind deshalb überwiegend bei Holzfenstern zu finden. Bei stark belasteten Kunststofffenstern, etwa an einer Wetterseite in Küstennähe, kann ein zusätzliches PVC-Profil das Ableitsystem trotzdem unterstützen.

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Fassade eine solche Belastungssituation ist: Küstennähe, freistehende Lage und Hauptwindrichtung sind die drei Faktoren, die zählen. Rufen Sie uns an, wir schauen darauf.

Wetterschenkel im Denkmalschutz

Hier ist die Regenschiene keine Option. In der Baudenkmalpflege werden bei der Erneuerung historischer Fenster weiterhin aufgesetzte konstruktive Wetterschenkel verlangt, gerade weil das fehlende Profil und der fehlende Schattenwurf das Erscheinungsbild verändern.

Das ist einer der Gründe, warum dänische Fenster mit ihren schmalen Rahmen und dem klassischen Profil in denkmalgeschützten Gebäuden häufig eingesetzt werden. Mehr dazu unter dänische Fenster.

Klären Sie die Anforderung immer vorab mit der zuständigen Denkmalbehörde. Die Auflagen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland und teils von Objekt zu Objekt.